AmberMed ermöglicht medizinische Versorgung für Menschen ohne Versicherungsschutz

Die Einrichtung AmberMed, ein Gemeinschaftsprojektdes Diakonie Flüchtlingsdienste und des Österreichischen Roten Kreuzes, bietet seit zehn Jahren medizinische Versorgung und soziale Beratung für Menschen ohne Krankenversicherung in Wien. Waren es im ersten Arbeitsjahr 2004 370 Menschen, die Behandlung in Anspruch nahmen, so waren es fünf Jahre später 2009 bereits 832Patienten. Im vergangenen Jahr behandelten. Ärztinnen und Ärzte bei AmberMed in etwa 1800 Frauen, Männer und Kinder.

"Wahrscheinlich wissen nur wenige in Österreich, dass es in unserem gut funktionierenden Sozialstaat eine so große Zahl von Menschen (100.000, Anm.) ohne Versicherungsschutz gibt", so Werner Kerschbaum, Generalsekretär des Österreichischen Roten Kreuzes. "Die medizinische Versorgung könnte ohne die ausschließlich ehrenamtliche Arbeit von zahlreichen Ärztinnen und Ärzten nicht geleistet werden", verdeutlicht Carina Spak, Leiterin der Ambulanz.

In den vergangenen zehn Jahren boten 222 Allgemeinmediziner und Fachärzte Gratisbehandlungenan. Den Leitgedanken der Hilfestellung für alle Patienten jenseits von politischen und ökonomischen Grenzen trägt AmberMed seit 2004. AmberMed arbeitet mit Dolmetschern, die ebenso wie die Ärztinnen und Ärzte ihre Leistungen unentgeltlich zur Verfügung stellen.

"Nicht selten erkranken die Patienten von AmberMed an ihren schlechten Lebensbedingungen in Österreich. Armut, unzumutbare Wohnsituationen, mangelnde Perspektive und soziale Ausgrenzung machen sie krank", betont Michael Chalupka, Direktor der Diakonie Österreich. "Betroffene Menschen versuchen oft, sich unsichtbarzu machen. Sie kommen oft erst, wenn sie schwer krank sind", so Chalupka.

Den Menschen, die nicht versichert sind, ist gemeinsam, dass sie ein geringes Einkommen haben. Zwei Drittel befanden sich zum ersten Mal in dieser Situation, immerhin ein Drittel war schon öfters davon betroffen. Für viele ist der mangelnde Krankenversicherungsschutz kurzzeitlich, für manche dauerhaft. "Es ist ein Mix aus strukturellen Lücken, sozialen Benachteiligungen, fehlenden persönlichen Ressourcen und mangelnder Information", zeigt die Diakonie die Fakten auf. Davon betroffen sind Menschen in prekärer Beschäftigung, Personen in schweren psychischen Krisen, Arbeitssuchende ohne Leistungsanspruch, Flüchtlinge und Migranten, ehemalige Selbstständige sowie Hilfesuchende, die ihren Sozialhilfeanspruch aus Scham nicht einlösen.

Doktor in Wien 06/2014

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