Diakonie Filmpremiere vom "Mama Illegal"

Mama Illegal- ein Film von Ed Moschitz
Traurig, erschüttert, deprimiert, frustriert und vor allem hilflos, sind nur einige der Gefühlszustände die das Publikum während dieses Films durchlebt.

So auch das Team von AmberMed bei der Diakonie Premiere am 09.10.2012.

In einer sehr berührenden Dokumentation zeigt der österreichische Regisseur das Leben dreier moldawischer Frauen, die ihre Familien zurücklassen um im “reichen Westen” Geld zu verdienen. Hierbei ergibt sich für den Zuschauer bereits die erste Kontroverse: Eine Frau unterstützt ihre Familie, in dem sie ihren Mann und ihre Kinder alleine in der Heimat zurücklässt? Leider ist dies viel zu oft die nackte Realität, dass eine illegale Flucht ins Ungewisse als letzter Ausweg gesehen wird.

Moldawien, ein Land das mit rund 400 Kilometer seiner Staatsfläche an die EU grenzt und doch erkennt man in den Bildern darüber nichts, was einem heimisch vorkommt. Schmutz, Armut und vor allem die Aussichtslosigkeit seiner Bewohner, sind Bilder, die uns der österreichische Regisseur Ed Moschitz vermittelt. Sie sind einprägsam und erschütternd zugleich.

Nun erreichen diese Frauen über illegale Schlepper ihr Zielland, illegal, leben dann dort, illegal, arbeiten, illegal. Doch was bedeutet das Wort illegal? Illegal heißt in ständiger Angst erwischt und abgeschoben zu werden, egal ob in den öffentlichen Verkehrsmitteln oder im Supermarkt. Illegal heißt keinen Urlaubsanspruch zu haben, denn (Schwarz-) Geld gibt es nur wenn man arbeitet. Und arbeiten tun diese Frauen zumeist 365 Tage im Jahr. Auf Weihnachten, Ostern, oder ähnliches wird seitens der Arbeitgeber oft keine Rücksicht genommen. Wozu dies alles führt, kann sich der Zuschauer rasch denken: es macht krank! Nämlich nicht nur psychisch, sondern auch physisch. Trotzdem bleibt den Frauen nichts anderes über als weiter zu arbeiten, für die Familie.

Illegal heißt, keine Krankenversicherung zu haben, nicht zum Arzt gehen zu können, sich keine Medikamente aus der Apotheke holen zu können. So geht es nicht nur den Hauptdarstellerinnen in “Mama Illegal” sondern tausenden Frauen, die illegal in Westeuropa leben um zu arbeiten und auch Hunderten in Österreich.
Der psychische Druck zu wissen, man darf nicht krank werden, macht es in diesem Fall nicht einfacher. In den meisten Ländern gibt es kaum Einrichtungen, an die sich kranke und  unversicherte Menschen wenden können, und schon gar nicht Illegale. Immer bleibt die Angst im Nacken, sich doch ausweisen zu müssen und dann abgeschoben zu werden. Auch wenn es Einrichtungen gibt, werden diese erst dann aufgesucht, wenn die Kranken keinen anderen Ausweg sehen, denn immer bleibt die Angst, doch noch eine Rechnung zu bekommen, die man nicht zahlen kann.

Diese Erfahrungen macht das Team von AmberMed drei mal in der Woche. Denn drei mal in der Woche öffnet die zum Großteil durch ehrenamtliche Mitarbeiter organisierte Ordination ihre Türen für nicht versicherte Menschen in Österreich. Anonym und rasch wird einem hier vor Ort geholfen, oder bei Bedarf weiterüberwiesen.

Dies alles sind Themen, welche ausführlich in einer an den Film anschließenden Podiumsdiskussion besprochen wurden. Carina Spak (Leiterin von AmberMed), Martin Schenk (Sozialexperte der Diakonie Österreich) und Moderatorin Sybille Hamann (Journalistin und Autorin) gaben den interessierten Zuschauern Auskunft über die soziale Situation von “Illegalen” in Österreich. Alleine in einer ad hoc inszenierten Umfrage dieser Expertenrunde unter den Filmbesuchern ließ sich erkennen, dass uns diese “illegalen Menschen” im Alltag doch nicht so unbekannt sind, obwohl wir sie leider zu oft nicht zu sehen scheinen.
Hiermit wird auch der Leser aufgefordert, darüber nachzudenken ob er oder Personen seines Umfeldes nicht schon mal einen Babysitter, eine Putzfrau, eine Küchenhilfe oder ähnliches beschäftigt haben, ohne die komplizierte “Papierwirtschaft” drumherum!

Doch was können wir tun, als Mitglied einer Gesellschaft, die aber ohne dieser “Illegalen Menschen” scheinbar nicht funktionieren würde? Unser Tipp an alle, die nicht gleich eine politische Initiative gründen möchten ist: klein anfangen! Das Wichtigste ist die Einsicht, dass man gewisse Klischees fallen lassen muss, Menschen nicht auf etwas reduzieren oder generalisieren soll und sie so zu behandeln, wie man es bei sich selbst auch erwarten würde. Dazu zählt vor allem: FAIRE LÖHNE zu zahlen und die Arbeit, die man selbst nicht machen möchte oder kann mehr wertzuschätzen.

 
C.W.