Aktuell: Wir sind laufend auf der Suche nach ehrenamtlichen Ärtzinnen und Ärzten zur Verstärkung des AmberMed Teams!

Wir freuen uns auch über Bewerbungen zur Ableistung des Zivildienst und Freiwilligen Sozialen Jahrs!

Patient*in des Monats

Keine Krankenversicherung durch Familienschicksale und prekäre Arbeitsverhältnisse

Ilse Steiner* (*Namen redaktionell geändert) ist gebürtige Tirolerin und Alleinerzieherin. Mit ihren zwei geringfügigen Jobs, der Kinderbeihilfe und den Alimenten für ihre Tochter Nina* kommt sie gerade einmal so über die Runden. Eine Vollzeitstelle zu finden ist für die 55jährige schwer, sie hat den Pflichtschulabschluss. „Die Stromrechnung bleibt manchmal unbezahlt aber die Miete zahle ich immer pünktlich“, sagt sie. Frau Steiner arbeitet tagsüber als Regalbetreuerin für Großmärkte wie Spar oder Metro und putzt am Abend in einem Wiener Marktcafé. Bei beiden Jobs war sie nicht versichert und bemerkte es zu spät. „Nina und ich waren nie krank und mussten nie zum Arzt“, erzählt die 55-jährige. Mittlerweile sind beide wieder versichert, auch wenn Frau Steiner für die Versicherung selbst aufkommen muss und 61,39 Euro im Monat bezahlt.

Als eines von neun Kindern hatte Ilse Steiner kein leichtes Leben. Seit ihrem 16. Lebensjahr arbeitet sie und war immer selbstversichert. Ihr Leben änderte sich als sie den Vater von Nina kennenlernte, mit dem sie 12 Jahre zusammenlebte, ehe sie ihn wegen Alkoholsucht und Gewalttätigkeit verließ. Sie zog mit ihrer Tochter in eine kleine Gemeindewohnung, wo beide nach kurzer Zeit vom Kindesvater wieder ausfindig gemacht wurden. „Wir haben ihn einfach nicht mehr losgebracht“, erinnert sie sich. Durch die Alkoholsucht verlor Ninas Vater seinen langjährigen Job bei der Bahn und wurde arbeitslos. „Er hat sich nur teilweise beim Arbeitsamt gemeldet, dadurch war Nina einmal mitversichert und einmal nicht. Es gab immer Versicherungslücken“, erzählt Steiner. In ihrer verzweifelten Situation bekam sie ein Angebot ihrer alleinstehenden Schwester, zu ihr nach Wien zu ziehen und kündigte daraufhin ihren Job und die Wohnung. Wenige Monate später lernte ihre Schwester einen Mann kennen und Ilse musste mit ihrer Tochter wieder ausziehen. Die Wohnungssuche war schwierig, sie siedelten mehrmals um. Durch den ständigen Ortswechsel und Ninas Panikattacken häuften sich auch die Fehlstunden in der Schule. „Es sind die Erlebnisse mit ihrem Vater, seinem Alkoholismus und seiner Gewalt, die immer wieder hochkommen“, sagt die 55-jährige. Mittlerweile geht Nina in die sechste Klasse. Als die Grippewelle im Winter auf ihrem Höhepunkt war, erkrankte auch Nina. „Nachdem sie über Schmerzen beim Atmen klagte, habe ich eine Rippenfellentzündung befürchtet und musste mir ihr zum Arzt. Erst ab diesem Zeitpunkt wusste ich, dass wir beide nicht versichert waren“, erinnert sich Steiner. Es folgten Termine beim Jugendamt, der Arbeiterkammer und der Pensionsversicherungs-anstalt. Dreieinhalb Jahre waren die Tirolerin und ihre Tochter nicht versichert gewesen. Das Jugendamt vermittelte beide zu AmberMed, wo Nina dann schließlich wegen einer Rippenquetschung, die sie sich im Turnunterricht zugezogen hatte, behandelt wurde. „Als wir im Warteraum von AmberMed gesessen sind, dachte ich mir, sind wir froh, dass es eine Einrichtung wie AmberMed gibt, die einen auffängt, wenn man schon ganz unten ist“, sagt sie. Ilse Steiner ist zuversichtlich, dass ihr Leben mit Nina nun bergauf geht. „Jetzt haben wir es wenigstens soweit geschafft, dass wir krankenversichert sind. Das ist das Wichtigste überhaupt. Der nächste Schritt ist dann die Beantragung der Mindestsicherung“.