Aktuell: Wir sind laufend auf der Suche nach ehrenamtlichen Ärtzinnen und Ärzten zur Verstärkung des AmberMed Teams!

Wir freuen uns auch über Bewerbungen zur Ableistung des Zivildienst und Freiwilligen Sozialen Jahrs!

Zu Besuch im AIDS Hilfe Haus Wien

Würdest du...
... einer/einem HIV-Positiven ein Busserl geben?
... mit einer/einem HIV-Positiven essen gehen?
... mit einer/einem HIV-Positiven Computer spielen?

Stellt man diese Fragen Sekundarschülern, bekommt man in jeweils 61, 42 und 36 Prozent der Fälle ein klares "Nein" als Antwort. Dieses und andere schockierende und interessante Erlebnisse erzählte Mag. Birgit Leichsenring von den AIDS-Hilfen Österreichs dem Amber-Med Team bei einer Schulung zum Thema HIV und AIDS im AIDS-Hilfe Haus Wien.

Mehr als einmal pro Werktag im Jahr 2011 wurde laut Department für Virologie der Medizinischen Universität in Wien jemand positiv auf HIV getestet - Tendenz steigend. Im AIDS Hilfe Haus in der Bundeshauptstadt werden jährlich bis zu 8000 Blutproben kostenlos und anonym abgenommen und zur Auswertung geschickt. Es wird ein Test durchgeführt, der an anderer Stelle durchschnittlich über 20 Euro kostet. Außerdem laufen sogar zum Beispiel verunsicherte Urlaubsrückkehrer gefahr, mit der Frage: “Warum, sind Sie drogensüchtig?” begrüßt zu werden. Eine Woche wartet man auf das Resultat, damit bei positivem oder unklarem ELISA-Ergebnis genug Zeit für die Bestätigung mittels Westernblot bleibt. Ein 20 Minuten Antikörperschnelltest kostet im AIDS Hilfe Haus 26 Euro. Wer nach einer potentiellen Infektion nicht auf die Immunantwort warten möchte (bis zu 12 Wochen), kann einen PCR Test um 69 Euro durchführen lassen. Außerdem kann um sechs Euro auf Syphilis und um 23 Euro auf Hepatitis B und C getestet werden.

In den fünf Stockwerken des AIDS Hilfe Hauses werden Diagnostik, Aufklärung und Information, individuelle Beratung, Betreuung und psychosoziale Hilfe für Menschen mit HIV/AIDS, deren Partner, Angehörige, Freunde und HIV-Negative mit Beratungsbedarf und bei Angst vor Infektion angeboten. Besondere Leistungen umfassen Sozialarbeit, einen betreuten Lebensbereich und ein Tageszentrum für HIV-Positive mit durchschnittlich 500 Besuchern im Monat. So werden Klienten, die ihren Arbeitsplatz verlieren oder wenn sich Partner, Freunde und sogar Familie abwenden, finanziell und psychisch unterstützt und es werden günstige und vollwertige Mahlzeiten angeboten. Finanziert wird all das ausschließlich durch Einnahmen des Lifeball. Weitere Einnahmequellen sind Spenden und Sponsoring. Nebenbei arbeiten zirka 130 Freiwillige für das Haus und engagieren sich von Aufklärungskampagnen bis zur Produktion ganzer Radiosendungen.

Nach einem fundierten Vortrag über Geschichte, Pathogenese, Epidemiologie, Therapie und die neuesten Entwicklungen zum Thema HIV und AIDS, gewährte Mag. Leichsenring den Zuhörern teilweise tiefe Einblicke in politische und ökonomische Probleme bei Behandlung und Prävention der Erkrankung - Themen, die an Medizinischen Universitäten oft zu wenig behandelt werden. Nebenbei wurden, teilweise mit gefühlvollem Witz, gängige Vorurteile zur Übertragung des Virus ausgeräumt. So kam es zur folgenden Take-Home-Message: Kein Oralverkehr nach invasiven zahnmedizinischen Eingriffen!

Leichsenring erzählte von Initiativen mit Großeinkäufen von HIV Medikamenten, um den Preis für Länder mit eingeschränkten Ressourcen zu senken. Die traurige Folge: Pharmaka werden von anderen Firmen billig zurückgekauft und zum dreifachen Preis wieder in Industriestaaten vertrieben. Dass es auch besser geht, zeigen Bemühungen um einen HIV Patent Pool, wodurch eine schnelle Entwicklung kostengünstigerer Generika gegen das Virus ermöglicht werden soll.

Außerdem wurden die rechtliche Situation und gesellschaftliche Themen diskutiert. Was passiert zum Beispiel, wenn HIV-positive Immigranten in ein Land ohne adäquate Therapie abgeschoben werden sollen? Nach derzeitiger Rechtssprechung gar nichts, die Patienten werden ihrem Schicksal überlassen, weil theoretisch überall auf der Welt eine gleich gute Versorgung mit HIV-Pharmaka gegeben sein sollte. Zwischen Theorie und Praxis liegen allerdings Welten. So werden, was allgemein bekannt ist, Entwicklungsländern einfach ältere und teils weniger wirksame Medikamente zur Verfügung gestellt. Den Gipfel der Lächerlichkeit stellten Berichte über Ärzte dar, die HIV-Positive aufgrund ihrer Erkrankung ablehnen.

Die Veranstaltung endete mit einer Führung und detaillierten Informationen über das AIDS-Hilfe Haus Wien. Für mehr Informationen über die AIDS-Hilfen in Österreich: www.aidshilfen.at

Wolfgang Seebacher